Sternenwelt, 03/2003
Die Bewertung der weiblichen Brust unterlag im Laufe der Menschheitsgeschichte vielen Wandlungen in bezug auf Funktion, Form, Ästhetik, Psychologie und Erotik. Nicht zuletzt durch den medizinischen Fortschritt ist eine "Idealisierung der Körperlichkeit" mit geringem Risiko möglich geworden. In einer Zeit, in der die weibliche Brust von den Bildmedien erobert wurde, verwundert es nicht, dass Frauen unzufrieden sind mit einer zu kleinen oder erschlafften Brust.
Die Vergrößerung oder Augmentation der Brust wird normalerweise mit Implantaten aus synthetischen Materialien erfolgen. In der Regel wird der Ersteingriff in Vollnarkose durchgeführt. Die stationäre Verweildauer beträgt 1-2 Tage. Dem eingriff geht selbstverständlich ein ausführliches Aufklärungsgespräch voraus, wo Möglichkeiten sowie Risiken eingehend besprochen werden müssen. Dabei wird die zu wählende Implantatgröße einen nicht unerheblichen Raum einnehmen. Ziel ist sicherlich nicht die Wunschvorstellung des Plastischen Chirurgen bezüglich einer weiblichen Brust. Trotzdem muss neben den Vorstellungen der Patientin auch berücksichtigt werden die Körperproportion und die Harmonie der Körpererscheinung. Das "gesunde Mittelmaß" zu finden ist nicht zuletzt auch die Kunst eines verantwortungsvollen Operateurs.
Die Implantate werden durch einen kleinen Hautschnitt in der Brustumschlagfalte, am Brustwarzenhofrand oder der Achselhöhle eingebracht. Andere Zugangswege (z.b. endoskopisch über eine Nabelinzision) sind möglich, schränken aber die Implantatwahl erheblich ein. Die Lände des Hauptsschnittes beträgt je nach Größe und Typ des Implantates 4-5 cm. Die Lage des Implantates kann oberhalb oder unterhalb des Brustmuskels gewählt werden. Eine Platzierung des Implantates oberhalb des Brustmuskels führt zu einer besseren Projektion, sowie einer natürlich wirkenden leichten Senkung der Brust. Dagegen ist die Bedeckung des Implantates bei Platzierung unterhalb des Brustmuskels vor allem bei dünnem Hautweichteilmantel besser. Auch eine Verhärtung wird in diesem Fall besser kaschiert. Allen Implantaten gemeinsam ist eine Hülle aus Silikonpolymer. Wodurch sich die Implantate unterscheiden, ist der Inhalt. Dieser besteht heute im wesentlichen aus Silikongel, Kochsalz oder Hydrogel. Sojaöl-gefüllte Implantate sind wegen einer in vivo auftretenden Auflösung der Silikonhülle infolge einer Verseifungsreaktion wieder vom Markt genommen worden. Auch bei Hydrogelimplantaten ist es durch osmotisch bedingten Flüssigkeitsaustausch über die Silikonhülle zu Veränderung der Implantatgrößen gekommen, so dass ihre Anwendung derzeit mit äußerster Zurückhaltung zu betrachten ist. Die heute vielfach verwendeten texturierten Oberflächen bei Implantaten führen zur Bildung einer ungeordneten bindegewebige Hülle, in der das Netzwerk der Implantatoberfläche fest verankert wird. Dies führt zu einer deutlichen Senkung der Kapselfibroserate. Die Eigenschaften des Weichteilgewebes werden zweifelsohne am besten mit Silikongelprothesen imitiert. Diese fühlen sich am natürlichsten an und sind in der Regel kaum von normalen Brustdrüsengewebe unterscheidbar. Kochsalzimplantate sind, was den "subjektiven Sicherheitsaspekt" betrifft, sicherlich zu bevorzugen. Als Nachteil muss jedoch berücksichtigt werden, dass ihre "viskoselastischen Eigenschaften" nicht mit denen von Gelimplantaten vergleichbar sind, zudem gelegentlich eine sichtbare Wellenbildung auftritt, besonders wenn der bedeckende Weichteilmantel dünn ausgebildet ist. "Cohesive-Gel-Implantate" sind durch andere Polymerisation des Siloxan-Moleküls wesentlich fester und formstabiler. Ein Auslaufen des Silikongels ist somit ausgeschlossen.
Die häufigste Komplikation der Brustaugmentation ist die Kapselfibrose. Der Körper bildet um jedes Fremdmaterial (z.B. Implantat) eine bindegewebige Abgrenzung. Die Bildung einer dünnen Bindegewebekapsel rund um die Prothese ist eine normale physiologische Reaktion auf den Fremdkörper. Ist die Bindegewebsneubildung gesteigert, so handelt es sich um eine Kapselfibrose, die in statistisch bekannter Häufigkeit (bis 5%) auftritt. Die Kapselfibrosen können unterschiedlich stark ausgeprägt sein und ein- oder beidseitig innerhalb von Wochen oder Jahren nach der Operation auftreten. Eine Kapselfibrose kann zu Verhärtungen, Schmerzen, Verformung der Brust, Tastbarkeit des Implantats oder zu dessen Verlagerung führen. Der Verdacht, Implantate würden zur Auslösung von Autoimmunerkrankungen führen oder eine maligne Entartung induzieren, konnte durch große epidemiologische Studien nicht erhärtet werden. Die Ergebnisse des Institute of Medicine, die im Auftrag des US-Kongresses Studien durchführten, belegen dies in eindrucksvoller Weise. Da bei langer Liegezeit der Implantate eine "Materialermüdung" infolge einer Implantathüllenschwächung möglich ist, sollten unter Beachtung der statistischen Haltbarkeit, Routinewechsel durchgeführt werden. Der empfohlene Zeitrahmen bewegt sich je nach Implantattyp zwischen 10 und 15 Jahren. Dieser Eingriff kann dann aber problemlos in Lokalanästhesie erfolgen, sofern dabei keine Zusatzeingriffe erforderlich sind.
Bei sachgerechter Ausführung einer Brustvergrößerung und Auswahl eines geeigneten Implantats können in hohem Prozentsatz dauerhaft gute Ergebnisse erzielt werden. Trotzdem ist in jedem Fall zu berücksichtigen, dass in der Regel im Laufe des Lebens Reeingriffe erforderlich werden, um - auch in Anbetracht der Alterung der Haut - ein stabiles und ästhetisch ansprechendes Ergebnis dauerhaft zu gewährleisten.
Dr. Wagner
Münchner Klinik für ästhetische Chirurgie